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Sachzeugen. Depotfunde aus dem Dritten Reich

Die Sonderausstellung "Sachzeugen. Depotfunde zum Dritten Reich" ist bis zum 1. August letztmalig im Mitteldeutschen Marionettentheatermuseum Bad Liebenwerda zu sehen.

Datum:

01.08.2021

Ort:

Mitteldeutsches Marionettentheatermuseum

Ansprechperson Ralf Uschner

Burgplatz 2
04924 Bad Liebenwerda

035341 / 12455
E-Mail schreiben

Ortschaft:

Bad Liebenwerda

Preis:

4,00 €
ermäßigt 2.00 €

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In Kooperation mit der BücherKammer Herzberg hat der Museumsverbund Elbe-Elster das 75. Jahr nach Ende des Zweiten Weltkriegs 2020 zum Anlass genommen, Depotfunde zum Dritten Reich vorzustellen. Als Wanderausstellung konzipiert und mit Leihgaben privater Sammler ergänzt, wird die kleine Schau nach Stationen in Mühlberg, Finsterwalde und Doberlug in Bad Liebenwerda gezeigt und ist dort der Pandemie geschuldet bis zum 1. August verlängert worden.

Eine übergreifende Betrachtung der Zeit vor dem 8. Mai 1945 gibt es für das Gebiet des heutigen Landkreises Elbe-Elster nicht. Die Zusammenschau von Einzeluntersuchungen führt zu der Erkenntnis, dass sich die damaligen Kreise Luckau, Liebenwerda und Schweinitz wenig von anderen Regionen Deutschlands unterschieden. Erdrutschartigen Wahlergebnissen für die NSDAP folgten nach der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 die schnelle Gleichschaltung des öffentlichen Lebens ebenso wie die Verfolgung Andersdenkender. Die zunehmende Militarisierung des Alltags und eine allgegenwärtige Präsenz der nationalsozialistischen Ideologie in allen Lebensbereichen spiegelt sich in Zeitzeugenberichten ebenso wie in den in der Sonderausstellung gezeigten Depotfunden. Die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs kündigt sich in der Verehrung vermeintlicher Helden an und endet schließlich in unermesslichen zivilen und militärischen Opfern. Zu den Ausstellungsobjekten gehören unter anderem eine Sammlungskiste zweier Jugendlicher für Autogramme nationalsozialistischer Größen, der Grabstein eines russischen Soldaten, das Schild der NSDAP-Ortsgruppe Massen, das Typenschild eines abgeschossenen alliierten Flugzeugs oder ein hölzernes Grabkreuz für einen gefallenen Liebenwerdaer. Eine Medienstation präsentiert den vor einigen Jahren aufgefundenen Film über die 600-Jahrfeier Finsterwaldes 1936. Neben zahlreichen Finsterwaldern, einschließlich der damals herrschenden Nazigröße, und deren Gästen, zeigt der etwa 25 Minuten lange Streifen auch viele Straßen, Plätze und Betriebe der Sängerstadt.

Diese Ausstellung wird eine tiefgreifende wissenschaftliche Untersuchung nicht ersetzen können. Ihre Zusammenstellung unterliegt weitestgehend dem Zufall: Sie zeigt, was die Depots der Häuser des Museumsverbunds Elbe-Elster und Privatpersonen über die Jahre an Sachzeugen zum Dritten Reich aufgenommen und gesammelt haben. Dennoch ermöglicht sie es in der direkten Beschäftigung mit dem Objekt, die Ideologisierung und Militarisierung des Alltags, den Fanatismus der Zeit, aber auch die Banalität des täglichen Lebens wahrzunehmen.