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Finsterwalde: Eine Stadt baut. Finsterwalde um 1930

Das Sänger- und Kaufmannsmuseum Finsterwalde zeigt ab 13. Juni Fotoaufnahmen einer Stadt an der Schwelle zur Moderne.

Datum:

15.11.2026

Ort:

Sänger- und Kaufmannsmuseum

Ansprechperson Olaf Weber

Lange Straße 6/8
03238 Finsterwalde

03531 / 30783
E-Mail schreiben

Ortschaft:

Finsterwalde

Preis:

4,00 €
ermäßigt 2,00 €

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Zwischen Staub, Stein und Baulärm entsteht in Finsterwalde um 1930 ein neues Gesicht der Stadt. Die Ausstellung „Eine Stadt baut. Finsterwalde um 1930“ im Sänger- und Kaufmannsmuseum widmet sich dieser Zeit tiefgreifender Veränderungen, in der die Sängerstadt zwischen Tradition und Moderne neu gedacht wurde. Die Ausstellung versammelt etwa 150 Fotos, die dazu einladen, neben dem dynamischen Baugeschehen der Zeit unendlich viele Details zu entdecken und einen Blick auf den Alltag der damaligen Finsterwalder zu werfen. Sie wird vom 13. Juni bis 15. November gezeigt.

Im März 1930 erschien im Auftrag des Finsterwalder Magistrats eine Publikation zur jüngsten Stadtentwicklung. Herausgegeben von Bürgermeister Georg Geist (SPD), der die Stadt von 1926 bis 1933 führte, erzählt sie vom politischen und städtebaulichen Aufbruch inmitten einer von Krisen erschütterten Zeit. Wirtschaftliche Unsicherheit, Arbeitslosigkeit und gesellschaftliche Spannungen bestimmten das Leben der Zwischenkriegsjahre – und doch begann Finsterwalde sich genau damals neu zu erfinden. Straßen wurden befestigt, Kanäle verlegt, Häuser gebaut. Schlammige Wege und provisorische Infrastruktur verwandelten sich innerhalb weniger Jahre in ein modernes städtisches Netz. Asphaltierte Straßen ersetzten Kopfstein und Feldweg, und unter der Oberfläche entstand ein unsichtbares Kanalisationssystem, das Hygiene, Ordnung und Fortschritt versprach.

Gleichzeitig wuchs der Wohnraum in einem bis dahin kaum gekannten Tempo. Zwischen 1927 und 1929 entstanden 133 neue Häuser mit 440 Wohnungen. Siedlungen in der Forststraße, an der Bergmühle oder die Wohnbauten der Gewoba stehen für den Versuch, der wachsenden Stadt Halt zu geben und Menschen ein Zuhause in schwierigen Zeiten zu schaffen. Viele dieser Projekte waren eng mit Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen verbunden: Bauwerke als Antwort auf Not.

Die Ausstellung basiert auf einem außergewöhnlichen fotografischen Gedächtnis der Stadt. Mehr als 300 Aufnahmen aus einem erhaltenen Fotoalbum des städtischen Bauamts sowie rund 200 Glasplattennegative aus dem Bestand des Museums sind erhalten geblieben; eine Auswahl daraus lässt die Zeit um 1930 wieder lebendig werden. Die Fotos zeigen Arbeiter in den Straßen, aufgerissene Wege, Rohre, Pflaster und Gerüste: Momentaufnahmen einer Stadt im Wandel. Besonders eindringlich wirken die Bilder der alten Häuser, die kurz vor ihrem Abriss dokumentiert wurden. Sie erzählen von einer verschwindenden Stadt, von schiefen Fassaden, schmalen Gassen und einer Vergangenheit, die dem Fortschritt weichen musste.

Einen weiteren Blick in die Vergangenheit öffnen Aufnahmen aus dem Fotoarchiv des Meißner Postkartenverlags Brück & Sohn. Diese frühen Aufnahmen aus den 1920er-Jahren zeigen Finsterwalde vor dem großen Umbau – eine Stadt mit vertrauten, aber längst verlorenen Ansichten, eingefangen im typischen Blick der damaligen Postkartenfotografie.

Ermöglicht wird die Ausstellung durch die Leihgabe des historischen Fotoalbums aus dem Stadtarchiv Finsterwalde sowie durch die Unterstützung der Sparkassenstiftung „Zukunft Elbe-Elster-Land“, die den Ankauf der Fotomotive aus dem Archiv Brück & Sohn gefördert hat.